Zurück unter Frauen

„Bitte nicht durch die Aula gehen": Generationen von Schülerinnen haben dieses Schild gelesen und mit diebischer Freude ignoriert. Die Schrift ist inzwischen verblichen, die Regel jedoch hat nicht an Gültigkeit verloren. Kleine Zeichen der Beständigkeit waren am Wochenende Beweise für die mehr als 130 ehemaligen Schülerinnen, dass ihre Schule schon immer etwas besonderes war. Noch einmal im Bio-Hörsaal Platz nehmen, in der Bibliothek von Schwester Antonia stöbern und sich hinter den hohen Mauern des Schulhofes klein fühlen – eine Zeitreise in den Schulen St. Michael.

Gymnasium und Realschule St. Michael hatten zum ersten jahrgangs- und schulübergreifenden Ehemaligenabend geladen. Organisiert wurde das Fest vom Verein der Ehemaligen, über den inzwischen fast 150 Frauen die Treue zu ihrer alten Schule halten. Der Einladung waren aber nicht nur Vereinsmitglieder gefolgt. Für manch eine Teilnehmerin war es der erste Besuch seit der eigenen Zeugnisausgabe, für andere ein willkommener Termin für ein Klassentreffen.

Alterspräsidentin des Abends war Barbara Pape. Die 74-Jährige kam als einzige Vertreterin ihres Jahrgangs: 1958 absolvierte sie die Realschule. Ebenfalls lang zurück liegt der Abschluss von Margot Wirth, 1970 verließ sie die Schule. „1995 hat meine Tochter ihren Abschluss gemacht und seit drei Wochen besucht mein Enkel das Michaels."

Die Erzählungen der beiden Damen brachten selbst die Frauen ins Staunen, deren Schulbesuch selbst schon Jahrzehnte zurückliegt. „Wir durften in der Schule damals keine Hosen tragen", erinnerte sich Wirth. „Unsere Röcke haben wir aber gehasst, die haben wir in den Tornistern versteckt und erst morgens vor der ersten Stunde an der Ecke übergezogen." Ungewaschen und zerknittert seien die meisten Röcke gewesen, aber das habe die Nonnen nicht gestört: „Hauptsache, die Hose verschwand darunter."

Dass die Schwestern mit „Mutter" angesprochen wurden und bessere Noten bekam, wer keine Messe versäumte, waren weitere Erinnerungen Papes. An die Bedeutung des Schulgottesdienstes, besonders der Messe zu Schuljahresbeginn im Dom, konnten sich aber auch jüngere Jahrgänge erinnern.

Einigkeit herrschte bei vielen der Ehemaligen darin, dass die Michaelsschulen oft wie ein zweites Zuhause waren – ein behütetes Zuhause mit hohen Anforderungen und einer großen Portion Strenge. Das wiederum konnte allerdings keinen Jahrgang davon abhalten auch einmal auszubrechen. Abistreiche und Abschlusspartys der Mädels vom „Nonnenbunker" sind bis heute legendär. Dass männliche Begleiter vor der Schule warten oder hineingeschmuggelt werden müssen, ist allerdings Vergangenheit. Ob Abschluss 1958 oder 2008 – dass inzwischen Jungen die Michaelsschulen besuchen, war für alle Frauen noch immer befremdlich. „Das Wort Schüler passt irgendwie nicht hierher", raunte eine Ehemalige bei der Begrüßung ihrer Nachbarin zu. „Allerdings: Wir hätten sie uns damals ja schon manchmal gewünscht."

Verändert, dass konnten die Ehemaligen bei den Schulführungen feststellen, haben sich auch die Gebäude. „Nach dem Trägerwechsel vom Orden zum Erzbistum wurde hier viel investiert", konnte Nicole Michaelis, stellvertretende Leiterin des Gymnasiums, berichten. Zusätzliche Fluchttreppen, Wände und Türen haben den Charakter vertrauter Gebäudeteile gewandelt. Von der Modernisierung verschont geblieben ist dafür das Karteikartensystem in Schwester Antonias Schulbücherei. Mit großen Augen konnten etliche Ehemalige ihre Namen in den Büchern finden, die sie vor teils 25 Jahren ausgeliehen hatten.

Spuren haben aber nicht nur die Frauen in ihrer Schule hinterlassen – die Michaelschulen haben gleiches im Leben ihrer Schülerinnen vollbracht. Das zeigte sich am Ende des Abends auch auf einer Pinnwand mit kleinen Danksagungen. In denen bescheinigten die Ehemaligen der Schule mit Blick auf den naturwissenschaftlichen Schwerpunkt nicht nur, dass „hier die Chemie stimmte", sondern auch, dass „Erwachsenwerden am St. Michael Spaß macht."

Diese Worte hätten sicher einer Frau besonders gefallen: Angelika Scheermesser, auf deren Initiative die Gründung von „VeSch" (Verein ehemaliger Schülerinnen) zurückgeht, verstarb 2013 nach langer schwerer Krankheit. 33 Jahre lang hat sie mit großem Einsatz Biologie und Chemie am Gymnasium unterrichtet und den Berufs- und Lebensweg vieler junger Frauen geprägt. Scheermesser selbst war Schülerin hinter den hohen, aber inzwischen weltoffenen Mauern von St. Michael.

Miriam Scharlibbe (Journalistin bei der Neuen Westfälischen, Abiturjahrgang 2008)

 

Ein paar Eindrücke vom Ehemaligen-Abend finden Sie hier.

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